Wissenswege

Moldava-Zinnwald

Einleitung

Die Moldava-Zinnwaldtour ist ein Rundweg, der halb auf tschechischer und halb auf deutscher Seite verläuft. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf den Versorgungsleistungen der Natur, wie z. B. Pilz- und Beerenerträge oder auch die Holzversorgung. Die Tour kann entweder am Georgenfelder Hochmoor oder in Moldava / Altenberg OT Neurehefeld begonnen werden.

Länge: 15 km
Höhepunkte: Moor, verschiedene Wälder (Kiefern-, Buchen-, und Fichtenwälder), Fließgewässer
Verpflegungstipp: Aroniacafé Rasehorn in Neurehefeld; diverse Einkehrmöglichkeiten in Zinnwald
Parkmöglichkeiten: Parkplatz am Georgenfelder Hochmoor oder in Altenberg OT Neurehefeld, bzw. in Moldava
ÖPNV: Bus Zinnwald-Georgenfeld

Fichtenmonokultur

Im Osterzgebirge führten die vielen Erzfunde der Vergangenheit dazu, dass für den Bergbau, selbst in Höhenlagen über 800 m, Wälder gerodet wurden. Größere Wälder verblieben nur dort, wo das Grundgestein arm, die Hänge zu steil waren oder sich die Fürsten und Adligen ein Jagdrevier gesichert hatten.

In den 1980er Jahren machte das Erzgebirge vor allem durch große Umweltschäden von sich reden. Schwefeldioxidbelastungen und andere Abgase durch Bergbau und Industrie führten zu großen Schäden bis hin zum Absterben mehrerer tausend Hektar Fichtenforst. Hinzu kamen Schäden durch den Großen Buchdrucker, einer Borkenkäferart.

Nachdem die absterbenden Fichten beseitigt waren, eroberte das Wollige Reitgras die freigewordenen Flächen und verhinderte, dass sich Gehölze natürlich ausbreiteten. Einige seltene Tierarten konnten die Situation aber nutzen. So bevorzugt das Birkhuhn aufgelichtete Forste. In den 1980er Jahren wurden ausländische Nadelhölzer gepflanzt, allen voran die Blaufichte, die heute weite Teile des oberen Osterzgebirges prägt.

Nach 1990 verbesserte sich der Zustand der Wälder, da Industriebetriebe geschlossen oder durch den Einbau von Filteranlagen modernisiert wurden. Die neuen Anlagen filtern aber meist nur Stäube, während vor allem Stickoxide, die mit Niederschlägen zu aggressiven Säuren reagieren, weiterhin zur Versauerung der Böden und des Grundwassers beitragen.

Als Gegenmaßnahme werden die meisten Waldbestände auch heute noch teuer gekalkt, im Bergland per Hubschrauber. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis die Böden sich erholt haben und basenliebende Arten natürlich und ohne Kalkungen wachsen können. Allerdings stört die Kalkung wiederum z. B. das pH-Gleichgewicht der hier auch vorkommenden Moorwälder.

Heidelbeeren

Die Heidelbeere bzw. Blaubeere wird im Erzgebirge auch Schwarzbeere genannt und ist ein sommergrünes Heidekrautgewächs. Im Winter wirft sie die Blätter ab.

Die im Handel erhältlichen Kulturblaubeeren stammen übrigens von der amerikanischen Heidelbeere ab. Sie sind mindestens doppelt so groß wie die Wildfrüchte, schmecken aber bei weitem nicht so aromatisch.

Nutzung

Die getrockneten Beeren haben einen hohen Gerbstoffgehalt und Pektine und werden als Mittel gegen Durchfall eingesetzt. Die frischen Beeren hingegen wirken bei erhöhtem Verzehr abführend.

Die Beeren wurden in der Vergangenheit auch zu anderen Zwecken benutzt, z. B. zum Färben von Kleidung (für Sklaven) im römischen Reich.

Heidelbeergetzen – ein Klassiker des Erzgebirges

Die Heidelbeergetzen aus dem Erzgebirge sind eine beliebte Nachspeise und werden in der Region unterschiedlich zubereitet. Ein Rezept, das wir empfehlen:

Man mische

250 g Mehl
2 Eier
500 g Heidelbeeren
350 ml Milch
3-4 EL Mineralwasser
50 g Fett
Zucker, Salz, Zimt

Das Ganze bei 160 Grad für 20 Minuten backen. Anschließend heiß servieren und einen Teil der Beeren frisch über die fertigen Heidelbeergetzen geben.

Die Heidel- oder Schwarzbeere hat auch Dichter des Erzgebirges inspiriert. Anton Günther (1876-1937) gilt als einer der bekanntesten Volksdichter und Sänger des Erzgebirges.

Es Annel mit ‘n Kannel
Gedicht von Anton Günther

Es Annel mit ‘n Kannel wollt in de Schwarzbeer gieh
do laaft ‘s e su a ne Waldsaam hi
on fällt mit de Schwarzbeer in Grenzgrobn nei,
do hatt se es Güschel voll Schwarzbeerbrei.

Do schreit‘s e su wos schreie ka
on krabelt e wing an Randel na.
Kaum is se e Stückel ven Randel vorbei,
do fällt‘s schu wieder in e Schachtel nei.

Nu macht sich ‘s aus dan Schachtel raus,
do sieht‘s e su gottsgammerlich aus.
Es standen Fichten hübn on drübn,
do is ‘s mit ‘n Röckel hänge gebliebn.

Itze is dos Annel giftig worn,
denn ‘s hatt de ganzen Beer verlorn.
Es Röckel zerrissen su laaft ‘s derva,
springt über de Wiesen, wos springe ta.

Wie ‘s ham kam, war es Kannel leer.
Sei Motter sogt: Wu hast‘n de Beer?
Nu saaht sich när a, es Röckel entzwaa! —
Do hot se es Annel racht ausgehaa!

Das Sammeln von Heidelbeeren ist für viele Menschen ein fester Bestandteil des Sommers. In Tschechien wurden im Jahr 2012 insgesamt 6800 Tonnen Heidelbeeren gesammelt. Nimmt man den Durchschnitt der letzten 20 Jahre, so ergibt sich eine Summe von 9100 Tonnen Heidelbeeren jährlich.

Pilzsucher

Pilze wachsen häufig in Wäldern, da sie mit Bäumen eine symbiotische Lebensgemeinschaft eingehen können. Die Hauptsaison für das Sammeln der Pilze ist von Sommer bis Herbst, besonders nach Regenfällen sprießen sie aus dem Boden.

Laut Landwirtschaftsministerium der Tschechischen Republik sammelt jeder Haushalt im Lande durchschnittlich 5,8 kg Pilze im Jahr. Hochgerechnet für das ganze Land wären das insgesamt 20,6 Millionen kg Pilze jährlich. Das entspricht einem Wert von etwa 71,9 Millionen Euro. Spezielle Angaben für das Osterzgebirge fehlen allerdings.

Torfanstich

In den Mooren des Erzgebirges wurde bis in die Gegenwart hinein Torf gewonnen. Torf besteht aus den angehäuften Resten nicht oder nur teilweise zersetzter Pflanzen. Gebiete mit einer Torfschicht von mindestens 30 cm Mächtigkeit nennt man Moor.

Verwendung für Torf:
Im Erzgebirge wurde Torf vom 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre regelmäßig als Heizmaterial gestochen und privat oder kommerziell genutzt. Auch in der Erzverhüttung wurde Torf verwendet.

Getrockneter Torf hat in etwa den gleichen Heizwert wie getrocknetes Holz.
Brennmaterial im Vergleich:

1 kg getrocknetes Holz ca. 4,0 kWh
1 kg Torf ca. 4,0 kWh
1 kg Steinkohle ca. 7,0 kWh
1 l Heizöl (0,84 kg) ca. 9,4 kWh

Moor als Wasserspeicher

Der Mensch hat viele Moore entwässert, um sie begeh- und befahrbar zu machen, z. B. für den Torfabbau. Das gesamte Ökosystem wurde dafür verändert.

Die Entwässerung führt allerdings dazu, dass die Moore nicht weiterwachsen, da die Lebensgrundlage der Pflanzen – das Wasser – fehlt. Durch die Luft mineralisiert der Torf und sackt in sich zusammen.

Intakte Moore bieten nicht nur wichtigen Lebensraum für seltene Pflanzen, sie binden auch das Treibhausgas Kohlendioxid, indem Kohlenstoff im Torf eingelagert wird. Entwässerte Moore setzen hingegen Kohlendioxid frei, da die Pflanzenreste durch die Sauerstoffzufuhr mikrobiell abgebaut werden.

In den letzten Jahrzehnten wurden daher viele Renaturierungsprojekte gestartet, um Moore wieder zu vernässen und deren Ökosystemdienstleistungen wiederherzustellen.

Folgende Ökosystemdienstleistungen bieten Moore:

  • Lebensraum für eine besondere Biodiversität, bestehend aus einer spezialisierten Pflanzen- und Tierwelt,
  • Kohlenstoffspeicher in Form von Torf,
  • Erlebnisraum und Inspiration,
  • kühlende Wirkung auf lokales und regionales Klima,
  • Archiv der Landschaftsgeschichte, da Pollenanalysen von eingewehten Pollen im Torf möglich sind.

Die Wiedervernässung ist dafür der erste Schritt zur Renaturierung von Mooren, die für gewöhnlich viele Jahre dauert. Dazu werden alte Entwässerungsgräben mithilfe von Dämmen verschlossen. Anschließend werden Bäume und Sträucher entfernt, die dem Moor Licht und Wasser nehmen. Der steigende Wasserspiegel führt dann zum Absterben Moor-untypischer Pflanzen. Die vollständige Regeneration kann Jahrhunderte in Anspruch nehmen.

Vergleich Artenvielfalt

Für die Artenvielfalt einer Wiese spielt die Art und Weise der Nutzung eine bedeutende Rolle. An dieser Stelle des Wanderweges treffen zwei völlig unterschiedlich genutzte Flächen aufeinander: ein Golfplatz und eine Bergwiese.

Der im Jahre 2004 von der Gemeinde Cínovec (Böhmisch-Zinnwald) eröffnete Golfplatz ist ca. 0,7 ha groß und zählt zu den höchstgelegenen Golfplätzen in Tschechien. In der Vegetationsperiode muss der Golfsportrasen permanent kurz gehalten werden, meist nur vier bis fünf Millimeter hoch. Für diese sehr intensive Nutzung sind nur wenige Gräserarten geeignet. Typische Rasengräser sind Deutsches Weidelgras (Lolium perenne), Rispengras (Poa), Schwingel (Festuca) und Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera).

Auf der deutschen Seite liegt eine Bergwiese mit artenreichen Borstgrasrasen. Hier erfolgt 1- bis 2-mal im Jahr eine Wiesenmahd. In den sehr mageren und kurzhalmigen Borstgrasrasen gedeihen mehrere seltene Pflanzen, vor allem die Orchideenart Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata), Quendel-Kreuzblümchen (Polygala serpyllifolia) und Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica).

Kleiner Bach wird größer / Regulierung

Die Natur bietet ein hervorragendes System der Wasserregulierung.

Niederschlagswasser aus Regen oder Schneeschmelze fließt zunächst in kleinen Rinnsalen hangabwärts oder versickert und sprudelt dann erneut aus Quellen hervor. So durchzieht das Osterzgebirge ein Netz aus vielen kleinen Rinnsalen, die sich vereinen und Bäche bilden, wie hier der Große Warmbach. Dieser Bach verbindet sich mit anderen Bächen und wird zum Fluss, der wiederum von weiteren Nebenflüssen gespeist wird und irgendwann in das Meer mündet. Die Wilde Weißeritz füllt zwei Trinkwassertalsperren: die Talsperre Lehnmühle und die Talsperre Klingenberg. Später vereinigt sich die Wilde Weißeritz mit der Roten Weißeritz und fließt in Dresden in die Elbe.

Holzertrag

Wälder haben im Osterzgebirge vielfältige Aufgaben zu erfüllen, vor allem als Wind- und Erosionsschutz. Trotzdem sind sie nicht unwichtig für die Bereitstellung von Holz, einem der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe. Beim Berechnen des Holzertrages müssen neben den Einnahmen die Pflanzgut-, Pflanz-, Pflege- und Erntekosten berücksichtigt werden.

Die Pflanzkosten betragen je nach Baumart und Pflanzdichte 3.000-10.000 Euro/ha. Bei der natürlichen Naturverjüngung entstehen keine Kosten für die Pflanzung, die Kulturpflege ist aber aufwendiger. Es ist mit ca. 2.000 Euro/ha zu rechnen.

Der jährliche Holzzuwachs in einem Fichtenbestand beträgt über die gesamte Lebenszeit je nach Standort 5-15 Festmeter/ha (Festmeter vs. Raummeter).
Mit dem zwanzigsten Jahr beginnen die ersten Entnahmen von Bäumen zur Bestandspflege und Ernte.

Der gesamte Bestand wird mit ca. 100 Jahren geerntet. Dann stehen auf einem Hektar ca. 600 fm Holz. Davon sind ungefähr 60 % gutes Sägeholz, für das zurzeit knapp 100 Euro/fm gezahlt werden. Der Rest ist Industrieholz mit einem Erlös von ca. 60 Euro/fm. Die Erntekosten betragen rund 25 Euro/fm.

Neuerdings wird versucht, auch die restliche Biomasse in Form von Hackschnitzeln zu nutzen.

Trinkwasser

Der Warmbach ist ein Zufluss der Wilden Weißeritz, die später die Talsperren Lehnmühle und Klingenberg speist und damit einen Beitrag zur Trinkwasserversorgung von Dresden leistet.

Zahlreiche kleine naturnahe Mittelgebirgsbäche (< 0,5 m Breite) entwässern in den Holperbach und die Wilde Weißeritz. Nahezu allen Bächen im Gebiet fehlt die typische Begleitvegetation, Unterwasservegetation ist meist nur spärlich ausgebildet.

Die Jagd früher und heute

Das Zaunhaus wurde von Kurfürst Moritz von Sachsen 1550 als Jägerhaus erbaut. Es wurde als Wohnung für den „Zaunknecht“ verwendet, der für die Instandhaltung des kilometerlangen Stangenzaunes verantwortlich war.

Das Osterzgebirge muss sehr wildreich gewesen sein, da hier große Jagden stattfanden. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts war das umliegende Land eine sorgfältig gehütete Jagddomäne der sächsischen Kurfürsten und späteren Könige. Während einer Jagd im Jahr 1630 wurden in der näheren Umgebung Rot- und Rehwild, Schwarzwild, Bären, Wölfe, Hasen, Füchse, Dachse, Wildkatzen, Baummarder, Steinmarder, Iltisse und Hamster erlegt. Einer der letzten Bären des Erzgebirges wurde 1715 geschossen.

Erst im 18. Jahrhundert wurde Zaunhaus zu einem Dorf mit 16 Häusern.

Auch heute wird in den Wäldern um Rehefeld-Zaunhaus gejagt. Die geschätzten Abschusszahlen für den Verwaltungsjagdbezirk im Gemeindegebiet Altenberg betrugen 2012:

Rehwild: 179 Stück
Durchschnittserlös: 3,81 €/kg Wildbret
Durchschnittsgewicht pro Reh: 10,5 kg

Rotwild: 82 Stück
Durchschnittserlös: 3,50 €/kg
Durchschnittsgewicht pro Rotwild: 50,4 kg

Wildschwein: 87 Stück
Durchschnittserlös: 3,50 €/kg
Durchschnittsgewicht pro Wildschwein: 70 kg

So erbrachte das Wildbret einen Gesamterlös von ca. 42.941 Euro.

Bei diesen Zahlen ist zu beachten, dass der Verwaltungsjagdbezirk weit über die Grenzen des Gemeindegebietes Altenberg hinausgeht.

Nachwachsende Rohstoffe zur Energiegewinnung

Holz ist der älteste Brennstoff der Menschheit.
Im 20. Jahrhundert gingen die Industrieländer jedoch zu billigeren Brennmitteln mit höherem Heizwert über. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist nun wieder ein Trend zur Wärmegewinnung durch Brennholz erkennbar.

Eine Übernutzung der Wälder sollte jedoch durch nachhaltiges Wirtschaften vermieden werden. Für die ökologische Nachhaltigkeit ist es wichtig, den Bestand an alten (Laub-)Bäumen, die wichtig für die Artenvielfalt sind, zu erhöhen.

Der Heizwert von Holz variiert je nach Zusammensetzung und Wassergehalt. Feuchtes Holz hat einen geringeren Heizwert, da Energie zum Verdampfen des Wassers aufgebracht werden muss. Bei natürlicher Trocknung verbleibt nach 3 Jahren ein Wassergehalt von 15 %.

Ein Raummeter Laubholz hat etwa einen Heizwert von 2.100 kWh und ersetzt ca. 200 l Heizöl oder 200 Kubikmeter Erdgas. Nadelhölzer haben einen höheren Heizwert pro kg, nehmen aber aufgrund ihrer geringeren Massedichte mehr Raum ein (1.600 kWh pro Raummeter) und brennen schneller ab. Am effizientesten heizt man daher mit Buche und Esche, gefolgt von Eiche oder Birke.

Flechten zeigen den Umweltzustand

Eine Flechte ist eine Symbiose, also Lebensgemeinschaft, eines Pilzes und mit einer / mehreren Algen oder Bakterien. Durch diesen Zusammenschluss können Flechten fast alle Untergründe und Materialien besiedeln, z. B. Bäumen und Steinen. Weltweit gibt es rund 25.000 Flechtenarten, in Mitteleuropa etwa 2.000.

Flechten eignen sich als Umweltindikatoren, da sie widerstandsfähig gegenüber natürlichen Einflüssen sind, aber sensibel auf Umweltveränderungen durch den Menschen reagieren.
Flechten sagen viel über die Luftqualität ihrer Standorte aus. Sie besitzen keine Wurzeln und leben von der umgebenden Luft(feuchtigkeit). Sie nehmen die in Luft und Regen enthaltenen Nähr- und Schadstoffe ungefiltert auf. Diese stören das Gleichgewicht der beiden Partner und die Flechte stirbt – noch bevor der Mensch die Schadstoffe bemerkt.

So starben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Flechten in der Nähe industrialisierter Städte aufgrund der erhöhten Schwefeldioxidwerte in der Luft. Die Öffentlichkeit bemerkte dies erst viel später durch Waldsterben und den sauren Regen. Seit Schwefelfilter in Fabriken und Katalysatoren in Fahrzeuge eingebaut wurden, haben sich Luftqualität und Flechtenbestand wieder verbessert.

Was sind eigentlich Umweltindikatoren?
Umweltindikatoren werden zur Beschreibung des Zustandes von Luft, Wasser, Boden und Klima und deren Veränderungen eingesetzt. Beispiele für solche Indikatoren sind die Veränderung von Gletscherflächen oder das Vorkommen bestimmter Vogelarten.

Flechten können für das passive oder aktive Monitoring der Luftgüte verwendet werden. Beim passiven Monitoring werden durch Kartierungen Verbreitung und Häufigkeit einer Art registriert. Beim aktiven Monitoring werden Flechten an einem belasteten Standort angesiedelt und ihre Reaktionen beobachtet.

Flechten nehmen auch Schwermetalle und radioaktive Substanzen auf, wodurch z. B. radioaktive Niederschläge überwacht werden können.

Rodelbahn

Das Naturschutzgebiet Hemmschuh liegt auf 846 m Höhe und ist 247 Hektar groß. Hier gibt es Buchenbestände, die mit Fichten, Bergahorn und Eschen durchsetzt sind.
Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat eine 40 ha große Zone ausgewiesen, die von der Holznutzung ausgenommen ist, um die natürliche Entwicklung – auch der Waldschäden durch Emissionen – zu erforschen und zu dokumentieren.

Wintersport ist gut geeignet, um in der kalten Jahreszeit die Natur zu erleben. Anfang der 1990er Jahren wurde im Naturschutzgebiet eine Skiliftanlage errichtet, für die Anlage wurden viele Bäume gefällt.

Durch den Wintersport ergeben sich weitere Konflikte. Bau und Betrieb von Skilift und Rodelbahn und die damit einhergehenden Veränderungen im Naturschutzgebiet stellen eine Belastung für die Ökosysteme mit ihrer Biodiversität dar. Durch Skifahrer und Pistenraupen kann es zu Erosionsproblemen kommen. Je nach Bodenbeschaffenheit sind die Grasnarben regenerationsfähig, auch wenn die obere Humusschicht zerstört wird. Aber einige Pflanzen wie Heidekraut oder Heidelbeeren verschwinden von Flächen, die zu Skipisten ausgebaut werden.

Tiere brauchen Ruhe- und Rückzugsgebiete. Sie können sich aber auf den Wintersport einstellen, sofern die Menschen auf Wegen und Pisten bleiben und die Tiere nicht abseits im Wald überraschen. Bei der Flucht durch hohen Schnee verbrauchen sie viel Energie und Zeit. Eine Birkhuhnpopulation mit rund 50 Tieren braucht z. B. etwa 1.500 ha störungsfreies Gebiet. Die scheuen, streng geschützten Tiere fliehen schon, wenn Menschen sich bis auf 300 Meter nähern.