Sogenannte Walen, Venediger oder Venetianer waren ausländische Erz- und Mineraliensucher, die wohl nach Mineralien zur Glasherstellung suchten, aber für Goldsucher gehalten wurden. In deutschsprachigen Quellen werden sie ab dem 16. Jahrhundert erwähnt. Wegen ihrer fremden Sprache und ihres merkwürdigen Verhaltens in den Bergen rankten sich viele Sagen um sie. Oft wurden ihnen auch magische Fähigkeiten nachgesagt. Dabei haben sie einfach nur Werte der Natur erkannt, die den Einheimischen verborgen geblieben waren. Auch heute ist es oft so, dass die Werte und Ökosystemdienstleistungen, die die Natur uns bietet, nicht erkannt und gewürdigt werden.
Im Dorf Fürstenwalde lebte vor langer Zeit ein armer Häusler namens Bär, bei dem seit vielen Jahren ein Fremder, angeblich ein Italiener, einkehrte, sich mehrere Wochen aufhielt und in dem Flussbett der Müglitz und im Schlottwitzgrund edle Steine suchte. Er machte stets reiche Ausbeute und bezahlte seinen Quartierwirt reichlich. Als der Venetianer einmal abreiste, bekannte er seinem Wirt, er werde nicht mehr zurückkommen, und lud seinen Gastgeber ein, ihn in seiner Heimat einmal zu besuchen.
Nach länger als einem Jahr erhielt Bär von seinem früheren Gast eine Einladung nach Teplitz, wo er sich bei der Post melden sollte. Für seine Weiterreise war dort gesorgt. Bär machte sich auf den Weg, fand alles wie mitgeteilt und gelangte endlich nach vielen Tagesmärschen in die Stadt seines Freundes. Da er aber der dortigen Sprache nicht mächtig war, hatte er große Mühe, Straße und Haus seines Gastgebers zu finden. Er fand es erst nach langem Suchen, aber weit größer und prächtiger, als er sich gedacht hatte. Wegen seiner schlechten und abgetragenen Kleidung wurde er von einem Bedienten aus dem Haus gewiesen, weil man ihn für einen Bettler hielt. Ratlos und enttäuscht darüber, hörte er auf einmal eine bekannte Stimme rufen: "Vater Bär, bist du’s?" und gleich darauf erschien zu seiner großen Freude sein alter Freund.
Viele Tage genoss der arme Mann aus dem Sachsenland die Gastfreundschaft seines reichen Gastgebers. Aber trotz vieler Wohltaten und bester Bewirtung fühlte sich der biedere Sachse bei all der Pracht und Herrlichkeit, die ihn umgab, nicht wohl. Als das sein Freund merkte, führte er ihn beim Abschied in ein Kabinett, das seine reichen Schätze barg, und forderte ihn auf, unter den vielen dort ausgestellten Figuren aus reinstem Gold sich eine auszuwählen und als Andenken mitzunehmen.
All die kunstvoll gearbeiteten Tierfiguren, versicherte er ihm, seien aus den Goldkörnern geschmolzen und gegossen, die er in Bärs heimatlichen Gewässern gesammelt habe. Mit einem Lamm aus purem Gold und einer Summe Geldes, die ihm sein reicher Freund noch aufdrängen musste, kehrte er wieder heim.
Die Kunde von dem kostbaren Geschenk gelangte bald zu Ohren des damaligen Herrn von Lauenstein und durch diesen wieder an den Kurfürsten in Dresden. Sein Landesherr überredete Bär, das kunstreich gearbeitete Stück gegen Gewährung einer kleinen jährlichen Leibrente an ihn abzutreten. Es kam in die kurfürstliche Kunstkammer, wo es verloren ging. (Quelle: erzgebirge-museum.de)